PTBS Therapieformen

Herr Dr. Norbert Kröger, psychotraumatologische Praxis, Berlin und langjähriger, leitender Psychologe im Bundeswehrkrankenhaus Berlin, stellt im folgenden Beitrag verschiedene Formen, und Erklärungen zu den Therapien in der Behandlung von PTBS vor.

Unter dem Navigationspunkt  „Therapeuten für PTBS“ finden Sie die persönliche Vorstellung und Kontaktdaten von Herrn Dr. Norbert Kröger.

Dr. Kröger
Dr. Kröger

Es gibt eine Vielzahl von nutzvollen und weniger effektiven Traumatherapien

Hier finden Sie eine Auswahl von (Trauma-) Therapiemethoden:
IRRT (Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy), Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR), KReST-Modell (Köper-, Ressourcen und Systemorientierte Traumatherapie, Intensive dynamische Kurzzeittherapie (IS-TDP), MPS (Mehrgenerationale Systemische Psychotraumatologie), Brainspotting, Somatic Expierencing (SE),  NLITT (Neurolaterale Imaginative TraumaTherapie), Interapy, Virtual reality, Emotional Freedom Technique EFT, Narrative Psychotherapie (Expositionstherapie), Akupunktur, Yoga, Meditation, Musik, Massage, Thai Chi, Ärger-Angst-Management, spiritual ministry, Tanz, Tiereinsatz, Schmerzmanagement, Kunsttherapie, Hakomie-Methode, sensomotorische Psychotherapie, Aromatherapie,
Zu unterscheiden sind auch Therapieformen, in denen die Klienten sehr stark und immer wieder mit dem traumatischen Erleben (Gefahr der Retraumatisierung) konfrontiert werden von anderen Therapien (z.B. ISTDP), die unmittelbar an den blockierten Gefühlen arbeiten.

Intensive Dynamische Kurzzeittherapie (IS-TDP) nach DAVANLOO

Diese hocheffektive, noch wenig bekannte traumaadaptierte Therapie arbeitet unmittelbar mit den „eingefrorenen“ Gefühlen, ohne den Patienten immer wieder mit schrecklichen und schmerzhaften Bildern zu konfrontieren. Demzufolge ist sie keine Konfrontationstherapie und vermeidet Re-Traumatisierungen! Durch die sehr direkte Arbeit an den blockierten Gefühlen ist eine vorhergehende Stabilisierung, wie sie bei den meisten Traumatherapien auf Grund möglicher Retraumatisierungen in der Behandlung verlangt wird, nicht erforderlich.
Der theoretische Hintergrund besteht darin, dass bei der nicht erfolgreichen Verarbeitung des Traumas und ihrer Reaktionen Emotionen erstarrt sind, Selbstheilungskräfte nicht zum Tragen kommen. Somit treten die Trauma-Symptome auf. Diese Blockade kann sehr schnell gelöst werden, so dass meist schon in wenigen Sitzungen eine Symptomfreiheit erreicht wird. Die Klienten werden mit den gegenwärtigen Gefühlen (nicht mit den schlimmen Traumabildern !) konfrontiert. In erster Linie treten Angstgefühle auf, die sich in inneren Spannungen, Distanziertheit und innerem Gelähmtsein, Atemnot, Klossgefühl im Halsbereich, Herzklopfen usw. äussern können. In der indirekten Auseinandersetzung mit dem Täter, dem traumatischen Ereignis sowie dem dadurch erlebten Verlust von Vertrauen, Selbstwertgefühl, Sicherheit sowie einer sich entwickelten Hilflosigkeit erfolgt eine „Aussöhnung“ mit den traumatischen Inhalten und eine Integration in die Lebensgeschichte. Durch die sehr direkte Arbeit werden hinter den Ängsten stehende Emotionen aktiviert, die dann zum Durchbruch kommen und damit den Betroffenen befreien.  Albträume, Flashbacks und Panikattacken verschwinden bei Traumata 1. Grades oft schon nach der ersten Behandlung. Die seelische Narbe wird bleiben, aber die vereiterte, immer schmerzende seelische Wunde ist Vergangenheit. Der Betroffene erlebt somit eine Selbst-Sicherheit, innere Stärke und Freiheit.

Die IS-TDP ist auf Grund von Wirkungsnachweisen vom wissenschaftlichen Beirat für Psychotherapie 2014 anerkannt. Sie ist ein hocheffektives Psychotherapieverfahren.

Ansprechpartner: Dr. Kröger
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Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR): Desensibilisierung mittels Augenbewegungen und Neuverarbeitung

Diese Methode wurde 1989-91 von Francine Shapiro aufgrund ihrer Erfahrungen mit Vergewaltigungsopfern und Kriegsveteranen entwickelt.
Bei der EMDR konzentriert sich der Patient auf das stärkste mit dem Trauma verknüpfte Erinnerungsbild und verbindet dies mit einer Selbstaussage (z.B.„ich bin hilflos“, einer Körperempfindung (wie „Spannung im Brustraum“) und einer emotionalen Wertung (z.B. „ich habe eine starke Angst“). Gleichzeitig kommt es zu wiederholten Augenbewegungen durch Verfolgen der Hand/Finger des Therapeuten und damit zur Änderung der Wahrnehmung der traumatischen Ereignisse und einer Lockerung der traumatischen Fixierung.
Das Ziel der EMDR ist die Traumaverarbeitung sowie die Verringerung von  Intrusionen auch durch eine kognitive Umstrukturierung (veränderte Betrachtungsweise des Traumas und Distanzierung).
Es wir angenommen, dass steckengebliebene rechts-linkshirnige Prozesse durch induzierte Augenbewegungen in Gang gesetzt (vgl. REM Phase des Schlafs) und somit verarbeitet werden können.

Ansprechpartner: Dr. Möschwitzer
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Energetische Psychotherapie, Energy Psychology®, EDxTMTM  (Energy Diagnostic and Treatment Method), EFT (Emotional Freedom Technique)

Diese hocheffektive Traumatherapie Methode arbeitet unmittelbar am Schnittpunkt von Körper, Geist und Seele. Die energetischen Therapieansätze erlauben eine schonende Konfrontation mit den belastenden Themen, da sofort mit dem Wachrufen des Themas auch schon körpernahe Verarbeitungsprozesse in Gang gesetzt werden.
Eine geschickte Aneinanderreihung von multisensorischen Aktivierung wie Sprechen (Benennen des Themas, Selbstannahme, Würdigung von Ambivalenzen), Augenbewegungen, Summen, Zählen, Atemsequenzen, Überkreuzbewegungen und das Berühren hochwirksamer Schlüsselpunkte (Propriozeption) erlauben durch Wirksamkeits-Kumulation eine schnelle physiologische Selbst-Beruhigung (Regulationsmedizin, Umschaltung auf das parasympathische Heilnervensystem, Abfluss von Stresskreisläufen im limbischen System, Kooperation höherer und tieferer Schichten des Nervensystem, Kooperation von rechter und linker Hirnhälfte, Unterbrechung von physiologischen Kampf/Flucht/Erstarrungs-Automatismen).
Unterbrochene, überforderte Selbstheilungskräfte werden so wieder in Gang gesetzt. PTBS-Symptome können in kleinen verdaubaren Häppchen abfließen.
So kann oft in wenigen Sitzungen Symptomentlastung erreicht werden. Die ehemals belastenden Erlebnisse können ad acta gelegt werden, die Vergangenheit kann zur Ruhe kommen. Eine Aussöhnung mit dem eigenen Schicksal kann erfolgen.

Ansprechpartner: Dr. Vlamynck
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Narrative Expositionstherapie (NET)

Traumaopfer, deren Lebensgeschichte von mehreren schwer traumatisierenden Gewalterfahrungen durchzogen ist, bedürfen wegen der Komplexität des Erlebten, einer Aufarbeitung ihrer gesamten Lebensgeschichte. 
Anders als in gesunden Gedächtnissen, werden bei Traumatisierten in der NET die Erinnerungsanteile  – kognitive, z.B. „Ich sterbe jetzt.“, emotionale, z.B. Angst, schutzloses Ausgeliefert sein, sensorische, z.B. Geruch von Blut, Hitze sowie physiologische, z.B. Herzrasen Schweißausbruch, Zittern,- voneinander abgespalten gespeichert. Das „kalte“, explizite (autobiografische) Gedächtnis ist nicht mehr mit dem „heißen“ impliziten Gedächtnis (Furchtgedächtnis) verbunden. Der Traumatisierte kann seine Erinnerungen somit weder örtlich noch zeitlich einer Szene genau zuordnen, so dass die Angst der Vergangenheit, plötzlich ganz lebhaft zu einer Angst der Gegenwart wird. Mit jeder erneuten Aktivierung dieser belastenden Erinnerungsanteile, verstärken und verselbständigen sich diese, bis von einem Furchtnetzwerk gesprochen wird.
Ziel der NET ist es, die einzelnen traumatischen Erinnerungsanteile in chronologischer Abfolge räumlich und zeitlich zu ordnen, die Inhalte des „heißen“ Gedächtnisses an das „kalte“ Gedächtnis zu koppeln, um das affektive Furchtnetzwerke therapeutisch zu heilen.
Die Umsetzung geschieht im  therapeutisch geschützten Rahmen, indem der Traumatisierte durch die Schilderung seiner gesamten Lebensgeschichte sich intensiv emotional-imaginativ in die einzelnen Situationen versetzt und sie vom Therapeuten geführt, zeitlupenartig durchlebt, vergessene Details erinnert, ohne den Kontakt zur Wirklichkeit zu verlieren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Wiedererleben der kritischen Ereignisse, die vom Therapeuten wahrgenommen und gewürdigt werden, die positiven Anteile werden als Ressourcen entdeckt und genutzt.
Zum Abschluss der Therapie erhält der Behandelte eine vom Therapeut schriftlich verfasste Version seiner Lebensgeschichte.

Ansprechpartner: Dipl. Psych. Monika Wiesner
Email: {{email::monikawiesner@bundeswehr.org }

IRRT (Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy)

IRRT verläuft in drei Phasen:

In der ersten Phase werden die traumatischen Erinnerungen erfasst, um die schlimmsten Momente des traumatischen Situation (z.B. die erlebte Verletzung eines Kameraden, das Wahrnehmen von unmenschlichen Handlungen im Einsatz, die Konfrontation mit Tod und Verwundung) und die damit verbundenen schmerzhaften Gefühle ( in erster Linie Angst, aber auch Wut, Trauer und Scham) zu identifizieren und einer Behandlung zugänglich zu machen.

In der zweiten Phase erfolgt eine Veränderung der belastenden Erinnerungen durch ständige bildliche Vorstellung  und gleichzeitiger ständig wiederholter Beschreibung der körperlichen Reaktionen und der Gefühle, die schmerzhaft sind. Dadurch erlebt der Patient im Hier und Jetzt, in der therapeutischen Situation durch die immer wieder stattfindenden Konfrontation mit den extremen  Bildern letztendlich  ein Gefühl der Kontrolle über das traumatische Ereignis, es soll ein Gewöhnungseffekt an die Bilder eintreten. Zur Unterstützung wird vom Betroffenen verlangt, dass er sich die aufgenommenen Sitzungen auf der Kassette mehrmals am Tag anhören muss und dabei den (abnehmenden) Grad der jeweiligen Belastung dokumentiert. Somit wird Stärke und Bewältigung erreicht.

In der dritten Phase werden die traumabezogenen destruktiven Gedanken und Vorstellungen („ich bleibe krank, ich werde das nie bewältigen, mein Leben ist nutzlos…) durch den Aufbau von Selbstfürsorge verändert, so dass ein positives Selbstwertgefühl entwickelt wird. Das wird durch eine Distanz zu den Ereignissen, aber auch durch die Orientierung auf das Heute, wo der Klient nicht mehr in der traumatischen Situation ist, erreicht.

Ziel dieser Psychotraumatherapie ist es,

  • die physiologische Erregung des Patienten zu reduzieren,
  • Flashbacks und Intrusionen aufzulösen,
  • die traumatische Vorstellung durch Bewältigungsstrategien zu ersetzen,
  • destruktive traumabezogene Gedanken und Schemata zu modifizieren und
  • die Fähigkeit zum Selbstschutz und zur affektiven Selbstregulation zu steigern.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Schmucker
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Somatic Experiencing (SE)

Diese Methode orientiert sich auf das Bewusstmachen innerer Zustände, wobei der Fokus auf eine Stabilisierung in einem sicheren Zustand gelegt wird, bevor an den traumatischen Erinnerungen gearbeitet wird. Damit ist sie keine reine Konfrontationstherapie, ihr Ziel ist auf die mittelbare Beseitigung der emotionalen Blockade gerichtet.
Mit SE wird das traumatische Ereignis körperlich und geistig „neuverhandelt“. Dabei ist nicht das Ereignis selbst entscheidend, sondern die Reaktionsweise des Nervensystems, d.h. wie die physiologischen Regulationskräfte des Nervensystems mit der Bedrohung fertig geworden sind. Mit SE ist es möglich, ohne Inhalt oder Erinnerung zu arbeiten, wenn das Ereignis emotional zu belastend erscheint. Eine mögliche Re-Traumatisierung bei der Aufarbeitung wird vermieden, indem die „eingefrorene“ Energie in kleinen Dosen „aufgetaut“ wird und schrittweise zur Entladung kommt. Durch das Aufspüren und Wiederbeleben dieser biologischen, körperlichen Abwehrkräfte, entsteht aus dem traumabedingten Gefühl von Lähmung und Erstarrung ein Gefühl von Lebendigkeit und eine Eröffnung von neuen Möglichkeiten und Lebensfreude. Die tief verankerten Nachwirkungen von Trauma können sich schonend auflösen.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Schmucker
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