Gästebuch von PTBS Eisblume

Kommentar von Denise |

Mein Lebensgefährte war letztes Jahr für sechs Monate im Einsatz. Kurz nach seiner Rückkehr brach er völlig zusammen. Die Hilfe seitens der BW lässt mehr als zu wünschen übrig. Sie schickten ihn ins Traumazentrum in Koblenz. Dort bekam er eine wage Diagnose und ein paar abgelaufenen Beruhigungstabletten mit der nette Aussage "Um den Rest kannst du dich alleine kümmern". Durch einen glücklichen Zufall wurde er an die Lotsenstelle seiner Kompanie verwiesen und selbst die stoßen an die Grenzen des Möglichen. Wir warten nun schon seit mehr als sechs Monaten auf diverse Anträge. Unter anderem auf die Schutzfrist und die Heimatnahe Versetzung. Selbst auf die Bewilligung einer Zahnschiene musste er fast einen Monat warten. So langsam schleicht sich der Gedanke ein, dass die ihn mit Absicht fertig machen wollen. Man hatte ihm sogar den Therapeuten gestrichen, obwohl dieser, nachweislich, Erfahrungen mit PTBS-Erkrankten hat. Da wurde ihm gesagt: Entweder er sucht sich einen anderen oder er kann bei den gleichem bleiben und müsse diesen selbst bezahlen. Im Anschluss wurde ihm gesagt: Bei der Bundeswehr gibt es eben nicht alles umsonst.
Die größte Frechheit war, das man ihm im Einsatz gesagt, per Telefon, das er niemals BS wird und man hat seine Beurteilungen, die vorher noch im außergewöhnlichen Maße geeignet waren, runter gesetzt hat auf besonders geeignet. Neben dem ganzen Stress und der ganzen Anspannung, das Bangen um sein Leben, wird ihm auch knallhart die Zukunft versaut. Er hat keine Motivation mehr. Das kann ich auch verstehen. Er hat für diesen Laden gelebt und als Dank wird er verheizt und im Anschluss fallen gelassen. Ich verstehe ja, das die Leute dafür unterschrieben haben. Aber wenn man schon sein Leben für Deutschland riskiert kann man wohl auch erwarten, das seitens der BW die Hilfeleistung im besonders geeignetem Maße für die Soldaten bereit gestellt werden sollte.
Ich fühle mich ohnmächtig! Ich muss stark für zwei sein. Ihm Halt geben, damit er nicht aufgibt und weiter für sein Recht kämpft. Muss seine Depression und Wutausbrüche ertragen. Und seine nächtlichen Panikattacken überstehen. Selbst das Schlafmittel haben sie ihm versagt. Seit dem er wieder da ist, hat er keine Nacht mehr durchgeschlafen.
Wo soll ich all die Kraft hernehmen? Ich gebe mich gerade selbst auf, weil ich nur noch für ihn da sein muss. Was ich auch gerne tu! Er hat jetzt einen guten Therapeuten. Endlich! Und dieser wurde auch genehmigt. Aber den Platz haben wir auch nur über Kontakte bekommen. Sonst würde er immer noch nicht in Behandlung sein.
Aber wer ist für mich da? Wer gibt mir Halt und Unterstützung?
Danke das ich das los werden durfte.

Eisblume hat Kontakt aufgenommen.
 

Kommentar von Astrid |

Hallo, meine Tochter war Soldatin und wurde im Dezember 2003 auf ihrem Boot ermordet. Uns, also ihrer Familie wurde leider gar keine Hilfe angeboten, im Gegenteil, ich habe 5 Jahre geklagt, damit man meinem Kind wenigstens die "Ehre" gibt, dass sie im Dienst verstarb. Ich befand mich 7 Jahre in psychologischer Betreuung, jetzt jedoch kommt alles zurück und was viel schlimmer ist, mein zwischenzeitlich 26-jähriger Sohn ist so traumatisiert, nichts geht mehr. Helfen kann ihm kein Therapeut, da er ein guter Schauspieler ist. Diabetes, somatoforme Störungen, Medikamentenabhängigkeit, das volle Programm und Therapeuten die helfen könnten haben eine Wartezeit von mindestens 6-12 Monaten. Ich weiß mir keinen Rat mehr und habe höllisch Angst noch ein Kind zu verlieren, dadurch belastet es mich auch immer mehr. Ich wäre froh über eine Kontaktaufnahme oder ein Hilfsangebot. Liebe Grüße Astrid

Eisblume hat Kontakt aufgenommen.

Kommentar von Jobst |

Hallo, ich bin der zu Hause gebliebene. Meine Frau war im Einsatz und jetzt, nach2 Jahren kam es richtig zurück, nach einer schleichenden Veränderung. Durch die Hilfe des Veteranenverbandes befindet sie sich jetzt in Therapie. Ich würde mich gern mit Betroffenen austauschen und auch meine Hilfe anbieten für Hannah Schmitz.
MfG

Jobst

Kommentar von Anne |

Hallo liebes Eisblume - Team,
am 15.September 2014 habe ich einen Beitrag für das Gästebuch geschrieben. Leider ist er nicht drin. Echt schade. Nach welchen Prioritäten werden hier denn die Beiträge veröffentlicht?
Das Leben ist keine rosa-rote Brille. Alle Beiträge sind toll. Allen wurde geholfen. Leider sieht die Realität manchmal anders aus. Und wenn wir alle ehrlich sind, dann wissen wir das.
Solange der Soldat frei rum läuft und nicht selbst erkennt, dass er evtl an ptbs leidet, kann niemandem geholfen werden. Oder der Soldat hat ein 5-tage-seminar zum PEER mit gemacht, heißt das, er kann selbst niemals an ptbs erkranken?
Danke für Eure Antwort. Das hat bis heute die Situation hier nicht entschärft. Im Gegenteil, bei der Bundeswehr werden die Augen zu gemacht und die Soldaten können machen was sie wollen. Haben sogar noch den Schlüssel zur Waffenkammer!
Leben ein Leben zwischen Bundeswehr und zu Hause. Das heißt: Sie verlassen die Familie, kümmern sich um nichts mehr, sehen sich selbst im Helfersyndrom indem sie unbefugt in das Zuhause einbrechen, Schaden anrichten, Sachen entwenden etc. Da kann schon der eine oder andere Gedanke aufkommen. Danke

Es wurde Kontakt durch Eisblume aufgenommen.

 

In diesem "Fall" ist im Eisblumen-Team etwas missverständlich gelaufen, sodass sich die Verfasserin des Eintrages zu recht nicht wahrgenommen fühlte!

Wir bitten um Entschuldigung!

Kommentar von Katrin |

Hallo zusammen,
mein Mann ist US Soldat und war 15 Monate im Irak stationiert. Seit dem ist er an PTBS erkrankt. Jahre lang hat er es verdrängt und ich nicht erkannt was mit ihm los ist. Bis letzes Jahr im Sommer, wo es mit voller Wucht zurück kam. Alpträume, Schlaflosigkeit, er war tagelang weg ohne das ich wusste wo er war, exzessiver Alkoholkonsum und Kettenrauchen waren an der Tagesordnung, er hatte düstere Gedanken, war suizid gefährdet und hat ein aggressives Verhalten an den Tag gelegt. Dies ging über Monate so. Er wollte keine Therapie bzw. war er nach großer Überredungskunst in einer psychatrischen Tagesklinik. Dort wurde er nach 3 Wochen mit der Diagnose 'er hätte nichts' entlassen. Danach kam der totale Absturz und er war jeden Tag betrunken. Erneut bat ich ihn Hilfe zu suchen und wollte ihn dabei unterstützen. Er hat alles abgelehnt. Um meine Tochter zu schützen sah ich keine andere Möglichkeit mehr, als ihn vor die Tür zu setzten. Es hat sich als die richtige Entscheidung herausgestellt. Kurze Zeit später hat er sich freiwillig im US Militärkrankenhaus in Landstuhl in Behandlung gegeben. Nun war er 5 Monate dort. Seit dieser Woche ist er wieder zu Hause. Es ist immer noch alles schwierig und so richtig angekommen ist er noch nicht. Es geht ihm teilweise noch sehr schlecht und er bleibt weiter in teilstationärer Behandlung. Für mich und meine Tochter war und ist dies wohl die schwerste Zeit die wir bisher meistern mussten und müssen. Bis er richtig stabil ist wird noch sehr lange dauern. Aber ich habe die Entscheidung getroffen an seiner Seite zu kämpfen, gegen die Krankheit und für unsere Familie. Verzweifeln tu ich sehr oft aber ich versuche trotz Vollzeit arbeiten und Erziehung einer 4-jährigen alles dafür zu tun das er und wir zusammen wieder ein angenehmes Leben führen können...irgendwie und irgendwann. Ich habe durch Zufall diese Seite entdeckt und wollte einfach einmal meine Erfahrung mit PTBS teilen.