Gästebuch von PTBS Eisblume

Kommentar von Marleen |

Hallo liebes Eisblume Team,

ich habe hiere eure Einträge gelesen und muss sagen es berührt mich zu sehen das ich nicht alleine bin.
Ich bin die Ehefrau eines ehemaligen Soldaten der mehrfach in Afghanistan war.
Auch bei uns war es so das er (und so habe ich das Gefühl ) nie zurück gekommen ist aus diesem Land.
Anfangs dachte ich das legt sich und auch ich war in seinem letzten Einsatz schwanger.
Unsere jüngste Tochter wurde 2005 geboren.
Er kam heim und war irgendwie verändert, ich muss dazu sagen 2005 ist auch meine geliebte mamma verstorben mit nur 48 Jahren ...
Er war im Einsatz und wollte heim kommen deswegen aber ich sagte ihm das er nicht braucht.
Die Momente in denen er launisch und aggressiv wurde sind und waren in meinem Augen lapalien.
Doch die Abstände zu dessen Stimmungsschwankungen wurden immer kürzer , dann verstarb mein Schwiegervater und das hat ihn sehr aus der Bahn geworfen.
Ich konnte mit der gesamten Situation nicht mehr umgehen und trennte mich von ihm.
Er trank nur noch ohne Punkt und komma.
In der Hoffnung dasvwur es wieder in den griff bekommen haben wir einen Neuanfang gewählt, das ganze ist jetzt 6 Jahre her und nun habe ich das Gefühl das genau diese Dinge wieder hochkommen.
Er sagt nach wie vor er braucht keine Hilfe aber ich und seine Freunde versuchen ihm klar zu machen das er Hilfe braucht.
Keine Chance!

Ich weiss nicht was ich machen soll seine Stimmungsschwankungen sein trinken ohne Punkt und komma werden wieder mehr....
Er kann schlecht schlafen und ist sehr schnell genervt und gereizt von kleinen Dingen.
Wir meine Kinder und ich lieben ihn und wollen ihn nicht aufgeben aber die Kräfte schwinden.

Bitte helft uns, was kann ich / können wie tun?
LG Marleen

Eisblume hat Kontakt aufgenommen!

Kommentar von Denise |

Hallo Herr Kröger,

danke für Ihre Worte. Wir werden auch weiterhin viel Kraft brauchen, da seine Schutzfrist abgelehnt wurde. Die Bundeswehr erkennt somit seine Krankheit nicht offiziell an und ist der sogar Meinung, wenn er es nicht schon im Einsatz gemerkt hat, so können sie sich nicht vorstellen das er aufgrund des Einsatzes erkrankt ist.
Meine Frage ist nun: was sollen wir tun? Widerspruch einreichen oder sollen wir uns einen Anwalt nehmen? Wir können alles schriftlich belegen, das er aufgrund des Einsatzes krank geworden ist. Wie können die dann behaupten, es sei nicht so?!

Liebe Grüße

Kommentar von Dr. Kröger |

Liebe Frau Denise,
enorm, was Sie geleistet haben, weiterhin viel Kraft für die gemeinsame Zukunft.
Ein HINWEIS:
eine PTBS ist eine KRANKHEIT und keine normale Reaktion. Unmittelbar nach dem Trauma reagieren Betroffene mit Traumasymptomen als NORMALE Reaktion eines NORMALEN Menschen auf ein UNNORMALES Ereignis. Der Mensch hat oft genügend Selbstheilungskräfte, so dass diese Folgeerscheinungen innerhalb von ca. 4 Wochen zurückgehen. Wenn nicht oder sie treten dann erst auf, sprechen wir von einer PTBS, die von erfahrenen Traumatologen behandelt werden sollten. Im Allgemeinen sind 5 - 10 Sitzungen dafür ausreichend, falls nicht durch bestimmte Umstände eine Chronifizierung erfolgte!!

Alles Gute

Dr. Norbert Kröger, Psychotraumatologische Praxis für Gewalt-und Kriminilitätsopfer Berlin

Kommentar von Denise |

Hallo alle zusammen,

es ist noch gar nicht lange her, als ich meinen Beitrag hier verfasst habe. Doch in dieser kurzen Zeit hat sich viel getan.
Wir haben nun die Hilfe bekommen, die so bitter nötig war! Als ich mich an die Eisblume wandte, hätte ich mir niemals träumen lassen was das alles in rollen bringt. Wir haben ein Partnerschaftsseminar auf Schwanenwerder absolviert. Bevor wir dahin fuhren telefonierte ich lange mit der Frau Klimkiewicz, die mir dringend dazu riet bei diesem Seminar nur auf mich zu achten und es nur für mich zu nutzen. Sie hielt mir vor Auge, das ich nicht sein Therapeut bin und ich mehr auf mich achten soll. Das habe ich mir zu Herzen genommen und es war ein lehrreiches, intensives aber sehr sehr schönes Wochenende. Sogar mein Lebensgefährte kam aus sich heraus und hat alles angenommen, was ihm geraten und gesagt wurde. Damit habe ich nie im Leben gerechnet. Unsere Beziehung hat endlich wieder Auftrieb bekommen! Natürlich ist es noch lange nicht überwunden. Aber der Weg, in die richtige Richtung, ist geebnet.
Es hat uns bewiesen, das wir nicht allein sind. Das jemand unsere Bitten und Klagelaute erhört hat und das sich eine neue Tür für uns öffnete. Und es wird weitergehen. Es werden viele solcher Seminare angeboten, die einem helfen (gerade als Angehöriger) alles besser zu verstehen. das es nicht schlimm ist negative Gedanken zu haben. Vielleicht sogar über Trennung nachdenkt.
Leider wissen nur wenige Betroffene und Angehörige, was dieses Netzwerk der Hilfe alles zu bieten hat.
Leider wird verschwiegen, was man alles für Rechte hat. Woher auch? So haben die betroffenen Soldaten und Soldatinnen gar nicht die Kraft, um sich zu wehren und die Angehörigen haben von dem System Bundeswehr zumeist keine Ahnung und wissen noch nicht einmal welche Anträge zu stellen sind auf die der Betroffene ein Recht hat.
Jetzt, wo wir in diesem Netzwerk der Hilfe sind, werden wir unterstützt. Wir sind nicht mehr allein. Und dafür kann ich gar nicht genug Dankbarkeit zeigen. Ein Stück Lebensgefühl ist zurück gekommen. ich fühle mich nicht mehr wie eine leere Hülle.
Jetzt weiß ich definitiv das ich es schaffen werde für ihn da zu sein und doch kein schlechtes Gewissen zu haben auch nur mal an mich selbst zu denken.
Ich will mich bei allen Bedanken, die mit an diesem neuen Lebensgefühl mitgewirkt haben.
Danke Frau Klimkiewicz (ich halte Sie auf jeden Fall auf dem Laufenden)
Danke an das Traumazentrum in Berlin( die helfen SOFORT)
Danke an das Familienzentrum in Augustdorf
Danke an das Bundeswehr Sozialwerk, die uns einen Reisegutschein übergeben haben, damit wir mal Urlaub machen können
Danke an Lotsen aus Augustdorf, die uns so gut helfen wie es eben im Rahmen des Möglichen ist.
Danke an die Veranstalter von dem Seminar in Schwanenwerder mit allen Sozialarbeitern und Beteiligten

Ich habe gelernt: PTBS ist eine normale Reaktion auf unnormale Situation. Und wenn man jeden Tag Angst um sein Leben haben muss, ist es normal das der Körper alles versucht, damit es nicht noch einmal zu solch einer Ausnahmesituation kommt.
Ich wünsche euch, das ihr die Kraft auftreiben könnt, um euch eure Hilfe einzufordern! Danach wird es leichter. Denn ihr steht nicht alleine da mit all diesem Berg an Problemen und Gefühlen.
Danke

Es erfüllt auch mich immer wieder mit Freude, wenn das Netzwerk der Hilfe unterstützen und helfen kann.

Ich wünsche Ihnen und Ihrem Partner viel Kraft alles gemensam durchzustehen. Ihnen, liebe Denise stehe ich selbstverständlich, wenn Sie es möchten, für weitere Gespräche zur Verfügung.

Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen!

Birgit Klimkiewicz

Eisblume

 

Kommentar von Denise |

Mein Lebensgefährte war letztes Jahr für sechs Monate im Einsatz. Kurz nach seiner Rückkehr brach er völlig zusammen. Die Hilfe seitens der BW lässt mehr als zu wünschen übrig. Sie schickten ihn ins Traumazentrum in Koblenz. Dort bekam er eine wage Diagnose und ein paar abgelaufenen Beruhigungstabletten mit der nette Aussage "Um den Rest kannst du dich alleine kümmern". Durch einen glücklichen Zufall wurde er an die Lotsenstelle seiner Kompanie verwiesen und selbst die stoßen an die Grenzen des Möglichen. Wir warten nun schon seit mehr als sechs Monaten auf diverse Anträge. Unter anderem auf die Schutzfrist und die Heimatnahe Versetzung. Selbst auf die Bewilligung einer Zahnschiene musste er fast einen Monat warten. So langsam schleicht sich der Gedanke ein, dass die ihn mit Absicht fertig machen wollen. Man hatte ihm sogar den Therapeuten gestrichen, obwohl dieser, nachweislich, Erfahrungen mit PTBS-Erkrankten hat. Da wurde ihm gesagt: Entweder er sucht sich einen anderen oder er kann bei den gleichem bleiben und müsse diesen selbst bezahlen. Im Anschluss wurde ihm gesagt: Bei der Bundeswehr gibt es eben nicht alles umsonst.
Die größte Frechheit war, das man ihm im Einsatz gesagt, per Telefon, das er niemals BS wird und man hat seine Beurteilungen, die vorher noch im außergewöhnlichen Maße geeignet waren, runter gesetzt hat auf besonders geeignet. Neben dem ganzen Stress und der ganzen Anspannung, das Bangen um sein Leben, wird ihm auch knallhart die Zukunft versaut. Er hat keine Motivation mehr. Das kann ich auch verstehen. Er hat für diesen Laden gelebt und als Dank wird er verheizt und im Anschluss fallen gelassen. Ich verstehe ja, das die Leute dafür unterschrieben haben. Aber wenn man schon sein Leben für Deutschland riskiert kann man wohl auch erwarten, das seitens der BW die Hilfeleistung im besonders geeignetem Maße für die Soldaten bereit gestellt werden sollte.
Ich fühle mich ohnmächtig! Ich muss stark für zwei sein. Ihm Halt geben, damit er nicht aufgibt und weiter für sein Recht kämpft. Muss seine Depression und Wutausbrüche ertragen. Und seine nächtlichen Panikattacken überstehen. Selbst das Schlafmittel haben sie ihm versagt. Seit dem er wieder da ist, hat er keine Nacht mehr durchgeschlafen.
Wo soll ich all die Kraft hernehmen? Ich gebe mich gerade selbst auf, weil ich nur noch für ihn da sein muss. Was ich auch gerne tu! Er hat jetzt einen guten Therapeuten. Endlich! Und dieser wurde auch genehmigt. Aber den Platz haben wir auch nur über Kontakte bekommen. Sonst würde er immer noch nicht in Behandlung sein.
Aber wer ist für mich da? Wer gibt mir Halt und Unterstützung?
Danke das ich das los werden durfte.

Eisblume hat Kontakt aufgenommen.