Gästebuch von PTBS Eisblume

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Herzlichst Ihre Birgit Klimkiewicz

Kommentar von Tanja |

Guten Abend, ich weiß nicht mehr weiter. Mein Mann ist vor 6 Wochen von einem 6-MonatsEinsatz aus Afghanistan zurückgekommen. Seitdem habe ich einen vollkommen fremden Menschen zu Hause. Es war nicht unser erster Einsatz, sondern schon der 4. Gerade deswegen trifft es mich wie ein Schlag. Wir sind 12 Jahre verheiratet. Unsere Ehe war immer glücklich, zärtlich und körperlich, freundlich und humorvoll. Mein Mann hat sich vollkommen von mir/uns zurückgezogen. Jeglicher körperlicher Kontakt ist ihm zuwieder, nicht nur zu mir, auch zu unseren drei Kindern. Er ist vollkommen abwesend, in seinen verbalen Äußerungen brutal, gemein und zunehmend bösartig. Vor 6 Tagen hat er sich von mir offiziell getrennt, er könne das alles nicht mehr, er könne mich un d die Kinder nicht mehr ertragen, er brauche Ruhe. Seitdem kein Wort, keine Nachricht, auch nicht an die Kinder. Er hat unsere Ehe beendet, sieht aber den Zusammenhang zu dem Einsatz nicht. Spricht von schlimmen Dingen, die er mit sich selbst ausmachen würde. Er liebt mich, will mich nicht verlieren, kann aber meine Nähe nicht ertragen. Mit einem "Profi" will er nicht sprechen, das brauche er nicht. Ich weiß nicht mehr weiter. Wie soll/muß/kann ich mich verhalten? Was soll ich tun?

Hallo Tanja,

Ihr Hilferuf ist angekommen! Wenn Sie möchten, rufen Sie mich an. Reden hilft! Zur Wahrung Ihrer Anonymität werde ich hier mich nicht weiter äußern. Danke für Ihren Eintrag und Ihren Mut!

"Eisblume"

 

Kommentar von Daniela |

Hallo liebes Eisblume Team,

ich bin Ehefrau eines Bundeswehrsoldaten. Mein Mann ist seit 11 Jahren bei der Bundeswehr tätig, wir haben einen 5 jährigen Sohn. Es liegen 5 Auslandseinsätze hinter meinem Mann, seit 2009 ist er in psychologischer Behandlung und nunmehr, da sich seine Symptome so verschlimmert haben in stationäer Behandlung. Es klingt jetzt vielleicht blöd, aber ich freue mich, dass mein Mann in stationärer Behandlung ist, denn ich bin der festen Überzeugung, dass es nunmehr wirklich bergauf geht. Doch lange habe nach etwas gesucht, dass auch unserem Sohn und mir weiterhilft. So sind wir auch Ihre Seite gestoßen und ich muss sagen, dass mir die Tränen in die Augen geschossen sind, als ich hier die Beiträge von Betroffenen gelesen habe. Etwas gesammelt habe ich mich dazu entschlossen, hier etwas zu schreiben. Es ist schwer für Angehörige eines an PTBS erkrankten Soldaten. Ich habe mir immer gesagt, dass ich stark sein muss. Ich muss funktionieren, alles managen und planen. Ich darf nicht jammern, nicht krank werden, ich mich rund um die Uhr "voll funktionstüchtig" sein, denn mein Mann ist krank und wir haben noch einen Sohn. Sicherlich ist es schwer alles zu managen, planen, organisieren, Kind, Haushalt, Papierkram, doch ich kann doch nicht jammern und den Kopf in den Sand stecken. Nun bin ich allerdings an einem Punkt angelangt, so ich nicht mehr kann. Fragen Sie mich mal, wann wir das letzte Mal richtig Urlaub gemacht haben etc.? Was ist mit uns als Angehörige, welche Hilfen können wir denn in Anspruch nehmen? Ich weiß, dass wir noch ganz viel Zeit brauchen, dass es ein langer Weg werden wird, der viel Kraft kostet. Ich weiß auch, dass wir drei das schaffen werden. Doch ein "offenes Ohr" brauche auch ich. Wer kann sich meiner (unser) annehmen?

Ich finde es toll, dass es diese Seite hier gibt und fühle mich hier gut aufgehoben.
Grüße

Hallo Daniela,

" Eisblume" kann und will sich Ihrer annehmen. Dafür gibt es diese Seite. Wenn Sie möchten ,rufen Sie an! Danke auch an Sie für Ihr Vertrauen und Ihren Mut!

"Eisblume"

Kommentar von Lili |

Sehr geehrte Frau Birgit Klimkiewicz,
bei meinem Verlobten wurde zwar keine PTBS festgestellt sondern eine Psychose mit Wahnvorstellungen aber ich fühle mich trotzdem gut auf Ihrer Seite aufgehoben. Wenn ich allerdings hier so mitlese bin ich gespannt was sich die Bundeswehr noch alles einfallen lässt. Bisher hab ich mich von denen nicht einschüchtern lassen aber der WDB Antrag läuft ja noch. Diesen ganzen Papierkram und die undurchsichtigen Gesetze belasten einen zusätzlich zu all den persönlichen Problemen sehr. Zum Glück scheint es gesundheitlich langsam Berg auf zu gehen.
Vieles was in den vorherigen Beiträgen geschrieben steht kann ich nachvollziehen oder habe es selbst so erlebt bzw. von "einfühlsamen Mitmenschen" zu hören bekommen. Ich wünsche Ihnen allen hier alles erdenklich Liebe und Gute. Persönlich habe ich mir geschworen dass die Bundewehr mit nicht klein bekommt. Ich hoffe ich denke in einem Jahr immer noch so darüber. Denn obwohl eine Psychose noch nicht richtig erforscht ist kommt jetzt schon öfters der Satz: Das muss er doch schon vor dem Einsatz gehabt haben. Das kommentiere ich immer nur mit: Wirklich, ich frage mich weshalb die ihn dann da runter geschickt haben.
Liebe Grüße
Lili

Hallo Lili,

 

viele Fragen, und keine Antworten. Immer wieder stellen betroffene Angehörigen die gleichen Fragen: Warum werden zunächst einmal die "psychischen Auffälligkeiten" des Soldaten auf private Situationen geschoben. Aus meiner Erkenntnis ergeben sich erst die privat schwierigen Situationen aus dem veränderten Verhalten der Soldatin, des Soldaten, wenn sie aus dem Einsatz zurückkehren. So dreht sich das Rad immer in die falsche Richtung. Die Seele kann nicht auf alles vorbereitet werden! Niemand ist in seinem Leben völlig unbelastet. Schon die schwangere Frau kann belastet sein und dies auf ihr Kind übertragen. Nur die meisten Menschen können mit ihren Belastungen im "normalen Leben" gut umgehen. Kommt dann aber eine außergewöhnliche Situation wie ein Kriegseinsatz hinzu, was nun keiner als "alltäglich" bezeichnen wird, kann sich das Blatt wenden. Die Soldatin/der Soldat ist nun auch mal "nur ein Mensch"! Das vergessen die Soldaten leider oft selbst und verlangen sich Dinge ab, die nicht einfach so zu bewältigen sind. Also empfinde ich Ihre Frage, warum hat man nicht vorher festgestellt, dass ihr Partner psychisch belastet ist, als logisch und berechtigt. Armutszeugnis für die Vorbereitung und Ausbildung für den Auslandseinsatz? Fehlt die Wahrnehmung? Ist die psychische Vorbereitung auf den Auslandseinsatz nicht gut genug? Oder ist der Soldat so "erzogen" seine Persönlichkeit am Tor abzugeben und zu funktionieren? Bis das Limit, nämlich an PTBS zu erkranken, erreicht ist. Für Insider vielleicht provokante Fragen. Aber sie müssen erlaubt sein. Bis jetzt ist es noch immer so, dass die Belastung beim Soldaten und damit bei den Familien bleibt. Die Verbesserungen des Versorgungsgestzes ist ein guter Schritt. Jedoch reicht dies nicht aus. Die sozialen Strukturen sind verbessert worden. Die mentalen für den Betroffenen und damit die Angehörigen nicht. Deshalb "arbeitet" "Eisblume" weiter.

"Eisblume"

Kommentar von Chris |

Hallo Eisblume Team,

ich habe lange gesucht und auch lange überlegt, an wen ich mich als betroffene wenden könnte. Durch einen Freund habe ich von euch erfahren. Ich bin eine junge Soldatin, die mehrere Einsätze erlebt hat.

Seit Mai 2010 bin ich in psychologischer Behandlung. Zum Anfang wurden schwere Depressionen diagnostiziert. Im Juli 2010 wurde dann ein PTBS diagnostiziert.

Im März 2011 in einer neuen psychologischen Einrichtung, erfuhr ich dann das ich eine chronisch Komplexe PTBS habe. Das mein Verhalten "Normal" sei, dass ich kein Vertrauen habe usw. Jedoch sollte ich mir einen zivilen Psychologen suchen, was ich auch getan habe. Leider ist es an fehlendem Vertrauen meinerseits gescheitert. Sodass ich Heute wieder alleine stehe. Meine Familie versucht mir zu helfen, aber auch Sie erreichen Ihre Grenzen.

Jeder sagt man soll Kämpfen, aber gegen Windmühlen kann man da gewinnen?

Hallo Chris, ich weiß, wie schwer es ist einen Therapeuten zu finden. Aber allein werden weder Sie, noch Ihre Familie es schaffen. Das ist zumindest meine Erfahrung. Haben Sie schon auf meine Therapeutenseite geschaut? Sie können mich aber auch anrufen. Laut Feedback von Kameraden gibt es Menschen, die diese Windmühlen einreißen können.. "Eiblume"

Kommentar von Kirsten |

Sehr verehrte Frau Klimkiewicz,

hiermit möchte ich Ihnen und Herrn Hirschberg meinen Dank aussprechen.

Nachdem mein Mann aus Einsätzen in Afghanistan zurückkommend 2 Jahre lang immer wieder versucht hat, sich Hilfe zu holen, ich mir selbst Rat und Beistand, sah es nicht mehr so aus, als würde eine gemeinsame Zukunft Bestand haben. Die Diagnose PTBS wurde bei meinem Mann zwar gestellt, aber aus dem inneren Tal kam er nicht mehr heraus.

Es wurde unvereinbar mit dem Leben.

Nun, nachdem mein Mann durch Ihre Empfehlung bei Herrn Hirschberg war, konnte ich ihn erstmals wieder ein wenig lächeln sehen. Dabei meine ich als Frau gar nicht so sehr das äußere Gesicht, sondern dasjenige von innen.

Erstmals konnten wir wieder miteinander sprechen, uns austauschen und ein paar realistische Aussichten in der Zukunft erkennen.
Auch künftig wird es sicherlich nicht leicht werden. Aber allein die Tatsache, nun wieder gemeinsam aufrecht nach vorn schauen können,ist schon mehr als die halbe Kraft.
Lange nämlich hatten wir gar keinen Zugang mehr zueinander.

Nachdem ich heute der Einladung gefolgt bin,ein persönliches Gespräch mit H. Hirschberg zu führen, bin ich überzeugt, daß es nur mit beiden Partnern funktioniert, in Einzelgesprächen, als auch später gemeinsam.

Ich kann meine Leidensgenossinnen, Partnerinnen PTBS betroffener Männer nur aufmuntern, diesen Weg zu gehen und nicht zu versuchen, es aus eigener Kraft schaffen zu wollen. Es war ein Weg, der nur Kraft gekostet hat und nicht weiter zu führen schien.

Das sage ich auch im Namen meiner beider Kinder.

Danke !

Herzlichst

Kirsten

Hallo, Kirsten

ich bedanke mich zuerst einmal für Ihr Vertrauen und den Mut, den Sie den betroffenen Soldaten und den Angehörigen mit Ihrem Eintrag machen.

Es freut mich, dass Ihr Mann und eben Ihre ganze Familie sich bei Herrn Hirschberg nicht nur aufgehoben fühlen, sondern Sie das Gefühl haben, dass Ihr gemeinsames Leben in Zukunft wieder lebenswert sein kann.

Hoffentlich können wir noch viele betroffene Kameraden und ihre Familien auf diesen Weg führen. Es ist so wichtig, dass die ganze Familie in den Prozess des Redens und Verstehens einbezogen wird. Der Soldat muss seine Kriegserlebnisse verarbeiten, die Angehörigen müssen verarbeiten, dass ein anderer, oft fremder Mensch aus dem Einsatz zurück gekommen ist. Wir können die gegenseitigen Verhaltensweisen nicht verstehen. Dafür brauchen wir das gemeinsame Gespräch, dass aber ohne Hilfe nicht zu führen ist. Wieder eine gemeinsame Sprache finden.

Viel Kraft für den weiteren Weg des Zusammenfindens und der Überwindung des Traumas.

Herr Hirschberg kann wohl "Türen öffnen", die für Andere verschlossen bleiben.

Birgit Klimkiewicz