Gästebuch von PTBS Eisblume

Kommentar von Lia |

Hey ihr Lieben,
erst einmal ein grosses Dankeschön an Eisblume für das Angebot, das ihr uns bietet, und die tolle Unterstützung und auch vielen, vielen Dank an meine Vorredner, die ihr eure Erfahrungen und Schmerzen hier geteilt habt. Bereits das Lesen eurer Beiträge hat mir schon viel geholfen, man fühlt sich plötzlich weniger allein...
Ich habe vor 8 Monaten einen umwerfenden Mann kennen gelernt, der mich extrem begeistert, mitreisst, beeindruckt... Auf vielen Ebenen verstehen wir uns sehr gut, ergänzen einander, haben viel Spass im Umgang miteinander und – auch wenn das sicher naiv klingt – ich habe mich noch nie so zu jemand hingezogen gefühlt. Er ist US-Amerikaner, ich bin Deutsche, und wir leben beide in Guatemala (er seit 14 Monaten, ich nun seit 3). Wir haben uns durch Freunde kennen gelernt und die ersten Monate zunächst nur per Internet Kontakt gehabt. Auf der einen Seite war es, als würden wir uns schon ewig kennen, auf der anderen Seite musste ich leider auch schnell ein anderes Gesicht kennen lernen: Ohne Vorwarnung gab es manchmal heftige Reaktionen auf mich oder grundlose Beleidigungen, die über Stunden anhielten, und keinen Auslöser hatten, der zwischen uns lag. Oft war Alkohol im Spiel... Er erzählte mir bald nach einem dieser Ausfälle, dass er eine PTBS habe, bald danach, dass er Alkoholiker sei... Er sei US-Soldat in Afghanistan und im Irak gewesen. (Heimkehr muss ca. Vor 5-7 Jahren gewesen sein, daraufhin habe er angeblich ein komplettes Jahr zurückgezogen gelebt und mit niemand gesprochen. Also, wirklich niemand!) „Ich bin ein Monster“, waren seine Worte, „halt dich lieber fern von mir, ich werde dich sonst nur zerstören!“ Ich weiss nicht, warum ich mich entgegen dieser Warnung, Warnungen meiner Freundinnen und meinem eigenen Warngefühl nicht ferngehalten habe. Diese Momente haben mich allein übers Nachrichtenschreiben so viel Energie und Stress gekostet, dass ich mir gar nicht vorstellen wollte, wie sich das Ganze aus der Nähe anfühlt.
Und es gibt Momente, die sind schrecklich... Niemals habe ich gedacht, dass ich mich jemals in solchen Situationen wiederfinden würde... Kontroll- und Dominanzverhalten, verbale Aggression, Beleidigungen, Drohungen, Sachbeschädigungen (auch meiner persönlichen Gegenstände), Versuche körperlicher Gewalt, die sich abwechseln mit dem absoluten Gegenteil – Beschützerwunsch seinerseits, Vorträge, dass ich grundsätzlich vorsichtiger sein soll, hohe Sensibilität und Empathie, wenn es um meine Gefühle und Wünsche geht... Und diese beiden Zustände können von einem Moment auf den anderen wechseln. Es fühlt sich an, als gäbe es nur die zwei Extreme – entweder liebt er mich über alles, will mich auf keinen Fall verlieren und ich bin die unglaublichste Freundin der Welt, oder er hasst mich, ich zerstöre sein Leben und bin für alles Unglück verantwortlich. Für mich ist das ganze wie eine wilde Achterbahnfahrt, er nimmt mich auf seiner Gefühlswelle mit und ich spüre, wie meine Stimmung immer mehr von seiner abhängt. Ich weiss, dass das nicht richtig ist, aber irgendwie stecke ich nun drin und weiss nicht ganz, wohin es weitergehen soll.
Aber das Wichtigste: egal, was ist, egal, worüber sich das Drama auslöst... Am Ende sind wir wieder im Krieg im Mittleren Osten. Alle Wege führen dahin... Es geht im schlecht, sein eigenes Verhalten quält ihn sehr und er steht sich damit selbst extrem im Weg. Er blockiert selbst seine Ziele, zwischenmenschliche Beziehungen lockern sich oder zerbrechen, er bringt sich in grosse Schwierigkeiten (wurde wegen aggressiven Verhaltens verhaftet vor einigen Wochen), was alles seine Frustration steigert. Er sagt, er habe mehrere Therapieversuche hinter sich und das habe angeblich nicht viel geholfen (eine Therapeutin habe sich auch geweigert, mit ihm weiterzuarbeiten, nachdem er angefangen habe, seine Erlebnisse zu schildern), Medikamente haben ihn eigener Aussage nach nur schläfrig gemacht und er scheint allen Glauben an Hilfe verloren zu haben. Er weint viel, bezeichnet sich selbst als verrückt, sagt, er habe mehrmals täglich Flashbacks, sagt, er kann mit sich selbst nicht leben, denkt gelegentlich an Selbstmord... Ich erlebe die physischen Symptome – plötzliches Herzrasen nachts, Nervosität, Zittern – und spüre die emotionalen auch im Stillen ganz deutlich, weil ich selbst sehr empathisch bin.
Ich weiss, dass ich selbst nicht viel machen kann. Nach jedem heftigen Tief entschuldigt er sich, verspricht mir, dass das nie wieder passiert (und NATÜRLICH WEISS ICH, dass es wieder passiert und dass das Versprechen leer ist... natürlich ist mir klar, dass er die Sachen, die er tut, nicht tut, weil es ihm Spass macht, sondern weil sie seiner Kontrolle entgleiten... NATÜRLICH weiss ich, dass er aufhören möchte, seine Emotionen zu trinken, aber dass das Versprechen, es wirklich zu tun, ihn im Grunde nicht näher ranbringt, solange er keine Unterstützung akzeptiert).
Puh, das war jetzt ein langer Roman... Aber es war gut, ihn loszuwerden. Trotzdem bleibt für mich die Frage, was ich tun kann... Vor allem für mich. Ich möchte die selbstständige, fröhliche Frau bleiben, die ich immer war und die ein stabiles Sozialleben hat, ihren Weg geht und nicht zu dem kriechenden Wurm mutieren, den ich an mir schon beobachte... dass ich mich entschuldige, obwohl ich keinen Fehler sehe, dass ich nachdem ich weggestossen wurde, gegen alle Windmühlen kämpfend, wieder ankomme, etc... Sind Distanz und getrennte Leben wirklich die einzige Lösung, wenn es um meine Unversehrtheit geht?
Vielen Dank an alle, die diesen Beitrag gelesen haben!
Lia.

Eisblume hat Kontakt aufgenommen. Wie jeder Leser hier feststellen kann, wird es auf die geographische Entfernung schwierig konkrete Hilfe zu leisten. Jedoch lassen wir auch Lia nicht allein!

Kommentar von Danny |

Hallo zusammen,

ich bin seit 2,5 Jahren mit einem Mann zusammen, von dem ich wusste, dass er ein halbes Jahr in Bosnien war, 4 Jahre Berufssoldat. Bislang hat er es immer vorgezogen, das Thema zu meiden. Sicherlich war es dort schrecklich, das weiß man ... doch dann veränderte sich unser Leben. Er veränderte sich, seine Fassade fing an zu bröckeln, weil ich, so wie er es nennt, einfach nicht aufhören kann zu fragen. Ja so bin ich, wenn mir etwas komisch vorkommt, brauche ich Antworten.

Er war mittlerweile sehr schnell aufbrausend, jede für mich Kleinigkeit (Schuhe stehen nicht gerade auf der Fussmatte, mein Kind hat etwas nicht weggeräumt etc) wurde für ihn zum Auslöser verbal agressiv zu werden. Und ja, das tut genauso weh, als wenn er uns geschlagen hätte.

Sein Handy war immer bei ihm. Seit ein paar Wochen zog er sich dann komplett zurück, war nur noch schlecht gelaunt, tickerte mit dem Handy, trank extrem viel.
Als ich nachfragte, pochte er auf seine Privatsphäre und ob ich ihm nicht vertrauen würde. Doch das tat ich, aber der Mann, den ich liebe, erkenn ich nicht mehr. Wir stritten und ich fragte ihn, ob er jemanden anders hätte. Ohhaaa ... wie konnte ich das nur fragen? Alle Erklärungen, die ich ihm gab, wurden abgeschmettert ... wieder Privatsphäre und Vertrauen.

Wie kann ich jemandem bedingungslos vertrauen, wenn er mich nach und nach aus seinem Leben wirft, Geheimnisse hat und jeder Frage ausweicht?

Das versuchte ich ihm zu erklären. Null Einsicht, ich würde ihn kontrollieren, er stellte auf stur und meinte dann nur, dann ist es wohl besser er geht, ich würde ihm ja alles zutrauen.

Ich konnte nicht fassen, dass ich auf einmal an allem Schuld sein sollte. Er ging mit dem Kopf durch die Wand.

Aber penetrant wie ich war dachte ich mir nur, gut ... es scheint ja eh alles den Bach runterzugehen, dann willst du es jetzt genau wissen. Gibt's eine andere? Was war der Auslöser für dieses Chaos.

8 Std. habe ich gebraucht .. ohhh nein, wir haben nicht geredet ... wir nutzten Whatsapp ... wir verletzten uns gegenseitig, drehten uns im Kreis, am Ende wollte er nur noch einen Termin, an dem er ausziehen sollte.

Aber ich sah nicht ein, dass ich das so einfach aufgab .. ich bohrte weiter und er knickte ein. Plötzlich stand er im Wohnzimmer und brüllte mir die Wahrheit ins Gesicht ... ich wäre mit einem Mörder zusammen, einem Massenmörder. Er habe getötet .. ja auf Befehl, aber er kann die Bilder nicht vergessen.

Ich erstarrte und er ging wieder in den anderen Raum. Er schmetterte mir das einfach so an den Kopf. Ich folgte ihm und konnte nicht fassen, was ich sah. Er weinte .. bitterlich.

Ich sah meinen Partner noch nie so am Ende. Was danach kam war an Grausamkeit nicht zu überbieten. Ich war die Erste, die ihm zuhörte, die Erste, der er das alles erzählt hat. Vor mir saß ein Mann mit Selbstmordgefühlen, einer der sich nichts mehr wert ist, einer der von der Bundeswehr alleine gelassen wurde. Funktionieren dürfen unsere Männer, aber danach können sie schön selber mit allem klar kommen. Wie soll das gehen?

Und was ist mit ihren Partnern? Wer hilft uns?

Wie es bei uns weitergeht, weiss ich noch nicht, aber ich bin nicht bereit, den Mann, den ich liebe, einfach so aufzugeben, nur weil er alleine gelassen wurde. Ob es klappt, weiss ich nicht ... aber geflüchtet ist er jetzt lange genug.

Was mir fehlt ist tatsächlich eine Anlaufstelle, eine mehr als kompetente. Denn seine Aussage: Da kriegt man als Soldat einen Studierten vorgesetzt, der max. auf Zielscheiben geschossen hat und der soll einen von diesem Albtraum befreien.

lg
Danny

Eisblume hat Kontakt aufgenommen

Kommentar von Hans-Peter Breda |

Hallo liebes Eisblume Team,
vielen Dank für das was ihr macht um erkrankten Menschen zu helfen.Ich bin aktiver Soldat und bin nach vier Einsätzen an PTBS erkrankt.Ich habe mich meiner Meinung nach viel zu spät zu einer Therapie entschieden.Nach 130 Stunden bei einem Psychotherapeuten und einem 3 monatigen Aufenthalt in einer Psychosomatischen Klinik, habe ich den Weg zu Dr.Norbert Kroeger in Berlin gefunden.Ich bin so froh darüber das er mir helfen konnte und ich ein fast normales Leben führen kann.Ich wußte nicht mehr was Emotionen sind, er hat mir gezeigt das ich noch so etwas wie Empathie besitze.
Vielen Dank,lieber Dr.Kroeger
Danke für alles.

Danke Ihnen!

Danke Dr. Kröger für die seit nun schon Jahre bestehende Zusammenarbeit und Unterstützung von Eisblume.

Birgit Klimkiewicz

Kommentar von sabrina tischer |

Hallo,

mein Partner oder ex-Partner ist vor ca.5 Jahren an einer PTBS erkrankt bzw.wurde diese dann nach einem langem Kampf im Bundeswehrkrankenhaus in Berlin festgestellt.
Ca.2 Jahre vorher war er in Kunduz als MG-Schütze und ist dort fast gestorben.
Angefangen hatte es mit Gewalt und Wutausbrüchen, schließlich Depressionen und isolation-jedenfalls von mir.
Nach dem Aufenthalt ging es ihm seit langem besser, er war liebevoll und kam mir wieder unheimlich nahe....
Um es abzu kürzen-ich habe sehr sehr lange, insgesamt 6 Jahre um diesen Menschen gekämpft, bin bei ihm geblieben nach vielen verbalen erniedrigungen, körperlichen Ausbrüchen und absoluter emotionslosigkeit.
Nach den 8 Wochen im KKH ist er nie wieder in Therapie gegangen-nach 5 Jahren bin ich ausgezogen und habe jmd.anderen kennen gelernt-nicht aus liebe, sondern einfach weil mich jmd.in den Arm genommen hat(Bin selber in Therapie gegangen.)
Er wollte mich wieder haben und hat selbst mehere Frauen gehabt, nachdem ich jmd.hatte und rechtfertigt es damit, dass ich ja daran Schuld sei-halt wie immer.
Nach langem hin und her haben wir es vor 5 Monaten nocheinmal versucht-ich dachte immer iwann liebt er mich und erkennt wie sehr ich bei ihm bin-pustekuchen-es ging tatsächlich 3..4 Monate richtig gut-er hatte seine PTBS vielleicht sogar überwunden.
Aber dann ist seine Oma gestorben, der wichtigste Mensch und einzigste innerhalb seiner Familie der ihm Liebe gegeben hat und dann ist seine Katze verschwunden, die ich in Pflege hatte.
Er hat wieder abgenommen, zieht sich zurück, ist sehr schnell agressiv, lässt keine Nähe zu...ich habe das Gefühl er befindet sich wieder dort wo er vor Jahren schon einmal stand-was soll ich tun???
Ich bin so verletzt, dass ich immer allein gelassen werde.
Das letzte Mal haben wir uns vor 11 Tagen gesehen, ersagte: warum kannst du nicht einfach mal hierher kommen, deine Fresse halten und mit mir TV gucken?das ich an allem Chaaos in seinem Leben schuld sei und mich verpissen soll.....Ich wollte nur seine Liebe, seine Nähe, ihm wie all die Jahre eine Stütze sein...Egal was passierete...
In der Vergangenheit hat er mich immer und immer wieder aufgesucht um mir zu erzählen das jetzt alles anders wird und er mich so sehr liebt-warum meldet er sich dann wieder nicht-gehört all das auch zur ptbs-warum komme ich davon so schwer los?

Eisblume hat Kontakt

Kommentar von Wolfshund |

Ich bin nun seit knapp 1 1/2 Jahren mit meinem freund zusammen. Er war vor einigen Jahren in Afghanistan. Wenig bis gar nichts hat er mir darüber erzählt. Ich meinte nur ich bewundere es wie er diese Zeit überstanden hat. Wir führen eine Fernbeziehung und am Anfang waren wir sehr glücklich und er ist häufig zu mir gekommen bis er eines Tages meinte die Fahrerei sei ihm zu stressig. Ich bat ihn Hilfe anzunehmen wegen seiner starken Wutausbrüche. Eines Tages meinte er er hat sich Hilfe geholt. Und vor kurzem hat er mir nun berichtet das bei ihm PTBS festgestellt wurde. Er wollte dann von mir wissen ob ich es aushalten würde wenn wir uns 6-8 Wochen nicht sehen würden. Was ich natürlich mit ja beantwortete. Danach sagte er mir noch wie sehr er mich liebt und an mich denkt. Einen Tag später schreibe ich ihm das ich ihn liebe und fragte ob er mich auch liebt... Dazu war seine Meinung das sein Kopf total leer sei und er das nicht sagen kann und wir abwarten sollten was die Zeit bringt. Nun weiß ich nicht was er wirklich will. Sein Kontakt zu mir ist von jetzt auf gleich total abgekühlt. Ich habe derzeit auch eigene Probleme und muss zu mir selbst finden aber ich möchte ihn nicht verlieren und für ihn da sein. Weiß nicht ob ich zu ihm ziehen soll...

Eisblume hat Kontakt aufgenommen