Anne Will 17.10.2012

von Birgit Klimkiewicz - PTBS Eisblume

Auslandseinsatz Afgahanistan - War es die Opfer wert ?

Anne Will
Diskussion bei Anne Will

In dieser Sendung waren zu Gast, Thomas de Maizière, Omid Nouripour, Jürgen Todenhöfer, Franz Josef Overbeck und Marita Scholz.

Grundlage zur Diskussion war der vorher ausgestrahlte Film "Auslandseinsatz". Zunächst einmal war ich angenehm überrascht, dass Marita Scholz, Ehefrau eines schwer traumatisierten Soldaten, soviel Raum zum Erzählen ihrer Familiengeschichte gegeben wurde.

Die Antworten des Ministers darauf, wie immer die gleichen, er räumte Versäumnisse ein, dass man aber die Wahrnehmung der Angehörigen und das Einbeziehen der Familien für wichtig hält. Es seien jetzt Pilotprogramme gestartet in Form von Familienseminaren.

Das stimmt und wird ausdrücklich von "Eisblume" begrüßt. Es ist ein Anfang. Jedoch zu spät, verständlicherweise noch nicht ausgereift, da erst jetzt gelernt wird mit den Bedürfnissen der betroffenen Familien umzugehen.

Anschließend war Frau Scholz in der politisch, "moralischen" Diskussion um den Einsatz in Afghanistan nur noch "schmückendes Beiwerk".

Gut, man wird jetzt argumentieren, dass nicht die posttraumatische Belastungsstörung das Thema war. Sondern, war und ist der Einsatz die Opfer wert?! Opfer in Form von körperlicher und/oder seelischer Verletzung und gefallenen Soldaten. Welchen "bürokratischen Kriegseinsatz" die Soldaten und ihre Familien noch einmal durchmachen müssen damit ihre berechtigten Ansprüche anerkannt werden, wurde leider wieder einmal nicht thematisiert.

Warum, weshalb wir in Afghanistan sind, u.a. Bündnistreue gegenüber den Amerikanern, wie es der Minister formulierte, auch die Feststellung, dass die Politik beim Beschluss des Einsatzes die Tragweite nicht überblickt hat, entbindet nicht von der Fürsorgepflicht gegenüber den Soldaten und ihrer Familien!

Die politische, "moralische" Diskussion kommt elf Jahre zu spät!

Die Bearbeitung der WDB-Verfahren (Wehrdienstbeschädigung) und den Umgang mit den Betroffenen und ihren Familien ist immer noch nicht so, wie es sein müsste.

Die Verfahren dauern zu lange, die Traumatisierten werden von Gutachter zu Gutachter geschickt. Das Ergebnis ist oft "nur" eine Depression, oder eine vorherige seelische Störung in der Kindheit??!

Im Namen der betroffenen Soldaten und ihren Familien fordern wir eine umfassende, schnelle und unbürokratische Unterstützung. Sei es in der Form von Familientherapien, Familienbetreuung und die Umsetzung der Verbesserungen im Versorgungsgesetz für die Soldaten.

Auslandseinsatz Afghanistan - War es die Opfer Wert?

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Kommentar von Peter Johr |

"Als ich mich vor geraumer Zeit mit der „Entstehung von Schizophrenien“ beschäftigte, stieß ich auch auf das Thema „Posttraumatisches Belastungssyndrom“ - kurz PTBS.
Bei Internetrecherchen eröffneten sich für mich zunächst merkwürdige Artikel wie:

„Ein Psychiater für 4500 Soldaten“ (Süddeutsche.de, 24.09.2009)
„Mangel an ATN: Truppenpsychologen und Fachärzte für Psychiatrie fehlender Bundeswehr - im Einsatz und daheim“ (Soldatenglück.de, 24. September 2009),

„Soldaten im Ausland - Stress-Syndrom bei Bundeswehr nimmt zu“ (RP online, 24.09.2009),
„Seit Jahren kritisiert der Wehrbeauftragte des Bundestages die Situation der Sanitätsoffiziere in der Bundeswehr. Der Truppe fehlen 600 Ärzte. In der Führung des Sanitätsdienstes tat sich bisher: fast nichts“ (Ärzte Zeitung, 6.4.2010 - zitiert von www.springermedizin.de),

„PTBS-Risiko in Afghanistan sechs bis zehnfach erhöht - Rund 300 Bundeswehrsoldaten erkranken jährlich“ (Bundestherapeutenkammer - www.bptk.de, 08. April 2011),

„Traumatisierte Soldaten - Bundeswehr fehlen Psychiater“ (Ärzte Zeitung, 28.05.2010; aerzteblatt, 20.05.2010),

„MitteldeutscheZeitung: Streitkräfte - Bundeswehr erkennt Fälle der Posttraumatischen Belastung nur schleppend an“ (fair-NEWS.de, 11.01.2011),

„Operation Seelenfrieden“ (Zeit online, 16.11.2011),
„Bundeswehr fehlen Psychiater“ (Spiegelonline, 22. November 2010; Zeit online, 22.11.2010),
„Traumatisierte Soldaten - Alleingelassen mit dem Krieg“ (Zeit online, 07.03.2011),
So viele traumatisierte Soldaten wie nie“ (Zeit online, 19.01.2012).
Merkwürdig für mich deshalb, weil mir dafür einfach die Vorstellung fehlte. Nämlich, dass in einem so bedeutendem Bereich wie die Landesverteidigung, es möglich geworden ist, dass Psychiatrie-Fachärzte und Psychologen für die Truppenbetreuung fehlen sollen.
Aber das nur am Rande.
Was mich andererseits viel mehr bewegt, ist der Umstand, dass das PTBS in der Bundeswehr erst sehr spät ernsthaft thematisiert wurde - obwohl seit 1996 Angaben über PTBS-Erkrankte in der Bundeswehr existieren.
(vgl.: Deutsche Kriegsopferfürsorge - DKOF, 20.01.2012; fair-NEWS.de. 11.01.2011)

Die Bemühungen um die Hilfe für die PTBS-erkrankten Bundeswehrangehörige sind in Gang gekommen. Beispiel dafür ist die öffentliche Thematisierung, die der seinerzeitige Verteidigungsminister zu Guttenberg angeschoben hat.
Ebenso die Einrichtung des Psychosozialen Netzwerkes (PNS), der begonnene Ausbau des Berliner Traumazentrums, die Internet-Hilfsangebote (z.B. PTBS-Hilfe - www.ptbs-hilfe.de) aber auch die Aufstellung des PTBS-Beauftragten des Verteidigungsministeriums.
Erwartungen an zügige Fortschritte dürften angesichts der o.g. Nachrichten allerdings gedämpft bleiben.
Bei den derart gestiegenen Zahlen von PTBS-erkrankten Bundeswehrangehörigen gewinnen zwar effiziente Behandlungen und Hilfestellung stärkere Aufmerksamkeit aber zwangsläufig auch deren
Prävention.
Dazu gehört, dass die Politik den Sinn einer Armee, die Konsequenzen für deren Aufstellung und für deren Ausbildung sehr ernst nimmt:
Vorbereitung von Menschen auf kriegerische Auseinandersetzungen.
Der Fall des „Eisernen Vorhangs“ hat daran nichts geändert.
Der Einsatz von Bundeswehrsoldaten in Afghanistan hat uns das schmerzlich vor Augen geführt.
Und ich erinnere mich daran, wie mit Beginn dieses Einsatzes, sich die Politik um die Bezeichnung ‘Krieg’ bzw. ‘Kriegerische Auseinandersetzung’ gedrückt hat - bis zu dem Zeitpunkt, wo die Nachrichten über die Verwicklung der dortigen Bundeswehreinheiten in Gefechtshandlungen mit Toten und Verwundeten mehr und mehr wurden.
Wenn Politik auf diese Weise versucht, zu verdrängen, hat sie den grundlegenden Sinn einer Armee verkannt. Und für mich liegt es in der Vorstellung, dass das Wirkungen auf das Innenleben der Bundeswehr, seiner personellen und technischen Ausstattung sowie Ausbildung hatte, insbesondere mit Blick auf Krieg und Gefecht.
(vgl.: „Kritik an Bundeswehr-Ausbildung: Billig-Training vor dem tödlichen Einsatz“, Spiegelonline, 06.04.2010)

Danach zu urteilen, stellt sich die Frage, ob die im Rahmen der Bundeswehrreform wiederholte Feststellung, dass der neue Auftrag der Bundeswehr nach außen ‘kämpfen’ bedeutet, den Menschen in Uniform wirklich unter die Haut geht?
Sinngemäß dazu stellt der damalige General Naumann klar, dass dieses Kämpfen höchste physische und psychische Anstrengungen erfordert sowie Gefahr für Körper und Leben darstellt.
Und wörtlich: „Wir werden bei diesen Einsätzen auch Verluste hinnehmen müssen.“
(zitiert aus: Lothar Schröder „Bundeswehrreform. Der Krieg ist der Ernstfall“, UTOPIE kreativ, Heft 138, April 2002, S. 339)

„Ein Hauptbestandteil der psychologischen Vorbereitung der Soldaten auf den Krieg sollen deshalb Kampf, Leid und Elend, Verwundung und Tod sowie Waffeneinsatz gegen Menschen sein.“
(Lothar Schröder „Bundeswehrreform. Der Krieg ist der Ernstfall“, UTOPIE kreativ, Heft 138, April 2002, S. 339)

Angesichts dessen, dass nicht selbst erlebter Krieg mit all seinen Folgen und Umständen wie Verwundete, Tote, Zerstörung, Verluste, Angst und Panik u.a.m. die Vorstellungskraft dieser Menschen überfordert, muss gerade die Ausbildung von Soldaten dem vollstens Rechnung tragen.
Das Kernstück einer psychologischen Kriegsvorbereitung dürfte demnach die kriegsnahe Ausbildung sein. Mit den Worten von Moltke: „Die Vorbereitung zur Schlacht ist ... der Hauptauftrag der militärischen Ausbildung.“
(zitiert aus: Lothar Schröder „Bundeswehrreform. Der Krieg ist der Ernstfall“, UTOPIE kreativ, Heft 138, April 2002, S. 340)

Möglicherweise auch ein Schlüsselbeitrag für die Prävention von PTBS."

So lautet der Anfang meines wissenschaftlichen Aufsatzes "Krieg - Ernstfall im Kopf !? Gedanken zur psychologischen Kriegsführung"
https://docs.google.com/viewer?a=v&pid=gmail&attid=0.1&thid=139fdcb59e5ffcc5&mt=application/pdf&url=https://mail.google.com/mail/?ui%3D2%26ik%3Daf4ebe5175%26view%3Datt%26th%3D139fdcb59e5ffcc5%26attid%3D0.1%26disp%3Dsafe%26realattid%3Df_h7j3bue00%26zw&sig=AHIEtbQf8UMvNXSd_HY7RI1yNyG6JOmAkQ

Habe weder von Herrn de Maiziere noch von Herrn Westerwelle eine Antwort darauf bekommen - nicht mal die Bestätigung meiner Email. Von anderen Politikern nicht zu reden.

Zum Ende heißt es in diesem Aufsatz:
"Auch wenn ich zur kriegsnahen Ausbildung und psychologischen Kriegsvorbereitung Stellung genommen habe, ich bin gegen Krieg."

Dipl.-paed. Peter Johr
Bezugspflegefachkraft und psychologischer Betreuer in der geschlossenen Psychiatriepflege

_________________________________________________________________________________________________________
Wissenschaftlicher Aufsatz aus dem Jahr 2012 im Fachbereich Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie, einseitig bedruckt, Abstract: Gedanken zur psychologischen Kriegsvorbereitung. Augenmerk des Autors liegt auf dem Posttraumatischen Belastungssyndrom (PTBS) bei Bundeswehrsoldaten. Die besorgniserregenden Meldungen und Berichte über psychische Folgen bei Soldaten der Bundeswehr nach Kampfeinsätzen gaben Anlass zu dieser Schrift. Eklatant sind öffentliche Informationen und Aussagen zum wehrpsychiatrischen und truppenpsychologischen Personalnotstand, die in der vorliegenden Arbeit aufgegriffen werden. Prävention und Behandlung psychischer Erkrankungen von Kriegsteilnehmern - insbesondere die des PTBS - werden in ihrer augenfällig gewordenen Problematik betrachtet. Der Autor setzt sich mit den Belastungsereignissen von Gefechtssituationen und Kamphandlungen auseinander und führt psychopädagogische und psychotherapeutische Konzepte zueinander. Auf deren Grundlage werden Möglichkeiten zur psychologischen Kriegsvorbereitung - immer mit Sicht auf das PTBS - skizziert.

Kommentar von Peter V. |

Afganistan ist nicht der erste Einsatz!
Im Einsatz in Kambodia...ein Expert's on Mission Einsatz starb Fw Arndt!Wer kennt ihn noch? Wie geht es seinen Angehörigen?

Es folgte Somalia..nein keine Toten...jedoch viele böse Eindrücke die ich selbst von dort mitnahm.
Ich war in Mogadishu eingesetzt...später auch in der Human.Hilfe Station in Belet Huen.Dort nahmen wir viele böse Bilder mit..gerade wir Sanitäter.

Vor diesem Einsatz war ich noch mit dem DRK im irak./türk.Grenzgebiet in der Ost Türkei.Aktion Kurdenhilfe.
Was waren wir DRK Leute um die Hilfe durch die Bundeswehr Kameraden verlegen.Gott sei dank haben alle praktisch gedacht...und nicht an die erbosten Weisungen aus Genf.Keine Zusammenarbeit mit der Bundeswehr...wir haben gut funktioniert und vielen Kurden wurde geholfen!

Den Teilnehmern der DRK erging es genauso wie uns Soldaten später!Was wuste man schon von Einsatz Belastungen beim DRK?
Ist das wirklich so?

Und noch mal zu Somalia? Wuste die Bundeswehr nicht um die Wirkung des Medikamentes Lariam? (Gegen Malaria)
Ich habe das Zeug abgesetzt,als ich mich morgens in Mogadishu dabei ertappte,wie ich so zu mir sprach...als ich neben mir stand.

Nun,da ich sonst nie neben mir stehe...und auch nicht mit mir unterhalte,ist mir das Gott sei dank aufgefallen!.
Also Medikament abgesetzt.

Hat aber drei Einsätze weiter nicht verhindern können,das ich nach meinem letzten Einsatz meinen Job als Krankenpfleger wegen einer plötzlichen mittelschweren Depression verlor!
So nebenbei wurde auch noch eine schwere Schlafabnoe festgestellt.U.A.

Ja,ich ging als letzter meines Kontingentes von der CSU in Termez zum Flieger...es war April 2010..nach 139 Tagen als Sani .So,wie viele der zu repatrierenden Soldaten...die wir bis zum Heimflug betreuten.
Viele der Geschichten die diese Soldaten erzählten...waren böse Geschichten...um schlimme Dinge die erlebt wurden.Was sollte ich den jungen Kameraden sagen? Ich wechselte die Verbände...leerte die Urinflaschen..gab Medikamente aus...erneuerte Infusionen und setzte Spritzen.War mein Job!

Dann April...Ehrenformation für unsere Gefallenen.

Nein, ich war die letzten drei Einsätze nicht wie täglich in Mogadishu unter Beschuß durch Scharfschützen und Mörser aller Kaliber!Und doch hat es mich hier mehr als sonst getroffen.

Neun Kilometer vor der Afganischen Grenze! Als Sanitäter einer Verwundetensammelstelle...Englisch Casuality Staging Unit!
Seid Moga weis ich was es heißt den Weg zur Toilette mit Fahrzeugen zu decken,um nicht beim K....erschossen zu werden!
Ich weis auch was es heißt Kameraden zu verlieren...auch wenn es "nur" Amerikaner...Pakistaner...Nigerianer waren...keine deutschen Kameraden.
Viele der US Kameraden haben uns täglich besucht...manche kamen nie mehr.
Ich war mit unserem Liason Officer der Luftwaffe drüben im US Camp...am nächsten Tag,nach Black Hawk Down.
Was flossen dort Tränen..gestandene Ranger brachen zusammen.So etwas tue ich mir nie mehr an-!!!

Am Tag zuvor...die Nacht war ich Alarmposten..habe die zwei Explosionen und das lange Gefecht gemeldet...es wurde durch unseren Olt.nach Belet Huen zur OPZ gemeldet.

Erst durch CNN am Nächsten Tag wuste ich,was ich den ganzen Nachmittag und die Nacht beobachtet hatte.
Auch so eine Sache...Unwissenheit durch des oder nicht informieren!

Es wird viel falsch gemacht...und ich habe das Gefühl...man lernt nur ungern dazu!

Ja,ich durfte Herrn Guttenberg im Einsatz in Termez 2010 kennen lernen...hörte ihn reden. Und auch den Neuen!
Irgendwie habe ich nicht das Gefühl,das diese Personen wirklich an unserem Leben teilhaben!
Ja,uns nicht einmal verstehen!
Es reicht nicht,mit Bodyguard und oder Ehefrau mal so vorbei zu kommen...um zu verstehen.

Wir verstehen ja nicht mal,was da mit uns geschieht....oder mit unseren Familien danach!

Meine Frau sagte mal nach dem Somalia Einsatz:"Du hast dich in Kurdistan verändert...jedoch aus Somalia kam ein anderer Mensch zurück.Ich will meinen Mann zurück...so,wie vorher war!"

Es ist schwer zu ertragen,dieses Schlaugerede im Fernsehn zu hören,und nicht emotional zu werden.
Sitzen da doch maßgebliche Personen,die an unserer Veränderung mit verantwortlich sind, und doch nicht wirklich bereit etwas zu tun!

Ich breche jetzt ab...es belastet mich doch mehr,als ich mir selbst zugeben möchte!Gott, bin ich als 58 jähriger Krankenpfleger und Reservist ein Weichei geworden.
Wie sagte man mir des öfteren:"Bist du doch selbst Schuld!Was hast du alter Mann denn auch dort verloren.Du hast dich freiwillig gemeldet.Niemand hat dich gezwungen!

Wie wahr!

Peter V. Stabsfeldwebel d.R.
Exam.Krankenpfleger und PDL amb.Pflege

...egal wie schlimm es mit meiner Depression noch kommt...in die Mühlen der Bundeswehrverwaltung möchte ich nicht geraten!